Club Magazin / Ausgabe 2 /  24. April 2022

Sind SPACs überbewertete Seifenblasen?

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Dustin Klass – Business Development Manager
Lesezeit: 10 Minuten

Zusammenfassung

Was genau sind SPACs und woher kommt der Anlage-Hype?
Bieten SPACs wirklich hohe Reditechancen oder sind es eher hochriskante Wetten?

Was genau sind SPACs und woher kommt der Hype?

Die meisten haben es im Verlauf der letzten beiden Jahre immer mal wieder gehört: „SPACs“. Ein neuer SPAC geht an die Börse oder ein Unternehmen nutzt einen SPAC, um an die Börse zu gehen. So oder so ähnlich waren vielen der Schlagzeilen der letzten Jahre. Aber was genau sind SPACs eigentlich und woher kommt dieser neue Hype? Beginnen wir zunächst einmal vorne. Was genau ist ein SPAC? SPAC ist die Abkürzung für Special-Purpose-Acquisition-Company. Vereinfach gesagt ist ein SPAC ein börsennotiertes Unternehmen ohne operatives Geschäft. Das Ziel des SPACs ist es jedoch nicht ein eigenes operatives Geschäft aufzubauen, sondern der SPAC möchte sich dieses über ein anderes Unternehmen einkaufen. So ist ein SPAC stets auf der Suche nach attraktiven kleinen Unternehmen, mit denen er Fusionieren kann. Sein Ziel dabei ist es, das Unternehmen an die Börse zu bringen und dadurch einen Profit zu erwirtschaften. Der Vorteil für das Unternehmen liegt darin, dass es einen „leichteren“ Zugang zum Kapitalmarkt erhält. So kann es Geld einfacherer aufnehmen, um seinen Kapitalbedarf zu decken. Wie aber so oft ist nicht alles so grün, wie es zunächst scheint. Um dies zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die Personen werfen, die die SPACs Gründen und Ihr Kapital bereitstellen.

Dies sind oftmals bekannte Hedgefonds Manager und Banker, aber auch immer öfter einfache bekannte Persönlichkeiten, die dabei helfen, Geld für die Gründung des SPACs einzusammeln. Das Kapital wird hierbei von institutionellen Investoren eingesammelt, als Privatanleger hat man hier für gewöhnlich keine Chance. Ist das Kapital eingesammelt und das SPAC gegründet, beginnt die Suche nach einem Übernahmeziel. Für diese Suche hat der SPAC in der Regel 24 Monate Zeit ein Übernahmeziel zu finden. Findet er kein passendes Übernahmeziel, wird der SPAC aufgelöst und die Kapitalgeber erhalten ihre Kapitalanlage abzüglich der angefallenen Kosten zurück. Gleiches geschieht auch, wenn ein Übernahmeziel gefunden wurde, die Kapitalgeber auf der Hauptversammlung der Übernahme jedoch nicht zustimmen. Findet sich ein passendes Übernahmeziel und die Mehrheit des Kapitals stimmt einer Übernahme zu, haben die Kapitalgeber trotzdem noch ein individuelles Wahlrecht. Sie können, sofern Sie mit den Konditionen nicht einverstanden sind, ihren persönlichen Kapitalanteil noch vor der Fusion zurückgeben. Steht die Übernahme fest, fusioniert der SPAC mit dem zu übernehmenden Unternehmen. Somit wird dieses ohne einen eigenen IPO an der Börse gelistet. Für diesen sogenannten Reverse IPO ist weder ein OK der Börsenaufsicht noch ein Börsenprospekt oder ein aufwendiger Vorbereitungsprozess einer Investmentbank notwendig. Für viele bedeutet die Fusion mit einem SPAC, deshalb auch ein IPO durch die Hintertür.

Dieser Punkt ist eine der positivsten als auch eine der negativsten Eigenschaften eines SPACs. Zum einen wird jungen Unternehmen mit Kapitalbedarf ein leichter Weg zu neuem Kapital ermöglicht, zum anderen wird auf diese Weise auch vielen Unternehmen ein IPO ermöglicht, die ansonsten keinen Zugang zum Kapitalmarkt erhalten würden. Anders als beim klassischen IPO kann bei einer Fusion mit einem SPAC ordentlich die Werbetrommel gerührt werden. Bei einem klassischen IPO ist dies nur in deutlich beschränktem Maße möglich. Dies führt oftmals zu Täuschungen oder überhöhten Erwartungen.

Bieten SPACs wirklich hohe Renditechancen oder sind es eher hochriskante Wetten?

Ein Negativbeispiel ist der E-Auto Hersteller Nikola Motors. Dieser fusionierte 2020 mit dem SPAC VectoIQ. Bekannt wurde er insbesondere durch Falschaussagen zu Geschäftszahlen, aber auch durch ein Werbevideo, indem ein LKW von einem Hügel gerollt wurde. Dies war allerdings im Video nicht zu erkennen. Stattdessen wurde ein mit Wasserstoff fahrender LKW inszeniert. Ende September trat der CEO zurück und die Aktie fiel. Vom Hoch bei 94 USD auf aktuell rund 9,5 USD. Leidtragende sind in diesen Fällen oftmals die Privatanleger. Denn viele der Investoren der ersten Stunde verkaufen ihre Anteile noch vor der eigentlichen Fusion, oftmals an Privatanleger, die mit hohen Erwartungen gelockt werden. Aber nicht immer läuft es schlecht. Wie überall gibt es sowohl positive als auch negative Beispiele. Ehrlicherweise muss man etwas nach ihnen suchen, aber es gibt auch SPACs, die über Ihrem Ausgabepreis notieren. Hier eine Info am Rande: Der Ausgabepreis von SPAC liegt immer bei 10 $.

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Zu den SPACs die über Ihrem Ausgabepreis gehören der Sportwetten Anbieter DraftKings sowie der Kreditvergabedienst OpenLending. Jedoch notieren auch hier beide unterhalb ihrer Höchstkurse. Trotz der recht mageren Performance bzw. auch wegen der Möglichkeit für institutionelle Investoren schnell hohe Gewinne zu erzielen, haben SPACs in letzten 2 Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Dies liegt sowohl an den oben genannten Faktoren als auch an der großen Geldmenge, die in letzter Zeit in den Markt geflossen ist. Neben der Möglichkeit, hohe Renditen zu erzielen, nutzen institutionelle Investoren dieses Vehikel gerne, um Liquidität zu parken. SPACs legen das gesammelte Kapital bis zur geplanten Übernahme meist in Staatsanleihen mit geringer Laufzeit an.

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Im Jahr 2020 sind so über 248 neue SPACs an die US-Börse gegangen. 2021 waren es sogar 296. Zum Vergleich, 2019 waren es lediglich 59. Der bisherige Höchstwert lag bei 66 Börsengängen im Jahr 2007 kurz vor Beginn der Finanzkrise. Der Hype ist sogar bis nach Deutschland geschwappt. Trotz dessen sind SPACs hier nur vereinzelt anzutreffen.

So schnell wie der Boom kam, scheint er jedoch auch wieder zu verschwinden. Neben der schlechten Performance finden die meisten SPACs auch keine Unternehmen die bereit für eine Übernahme sind. Viele der in den letzten Jahren gegründeten SPACs sind immer noch auf der Suche nach geeigneten Zielen. Mit Blick auf die 24 Monats Frist wird die Zeit für viele langsam knapp. Zudem dreht die FED langsam den Geldhahn zu und die Investoren haben weniger ungenutzte Liquidität zur Verfügung. Der Boom scheint also fürs erste vorbei – aber niemand weiß, was die Zukunft bringen wird.

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