Börse mit Dustin Klass

KW27/2022

Market-RoundUp / KW27 /  05.07.2022

Market-RoundUp KW27 / 2022

DAX und Co. / TeamViewer
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Dustin Klass
Lesezeit: 7 Minuten

unsere heutigen Themen sind:

  • der Rebound der Märkte gerät ins Schwanken
  • schlechte Konjunkturdaten
  • ein Technologieunternehmen aus Deutschland

Alphabet nutzt seine starke Marktstellung im Bereich der Suchmaschinen, um kleinere und zukunftsträchtigere Bereiche auszubauen und zu optimieren wie zum Beispiel die Google Cloud. Das Cloudgeschäft Alphabets ist eines der zukunftsträchtigen Bereiche des Unternehmens und erzielt aktuell knapp 7% des Umsatzes. Die Google-Cloud-Plattform (GCP) zählt neben AWS (Amazon), Azure (Microsoft) zu den größten Public Cloud Anbietern weltweit. Die Plattform bietet ihren Kunden über 100 Services, welche von den unterschiedlichsten Hosting-Services für Computing, über Storage bis hin zur Anwendungsentwicklung gehen.

Dow Jones: +0,2%
Dow Jones: -3.2%
Dow Jones: -3.2%

Markt-Entwicklung letzte Woche

Deutschland

DAX: -3,0%

Der Dax startete durch starke Vorgaben von den asiatischen Aktienmärkten positiv in die neue Handelswoche und verzeichnete nach Börsenschluss ein Plus von 0,5%. Auch am Dienstag konnte der Dax seine hohen Auftaktgewinne nicht halten, notierte aber dennoch 0,4% höher bei 13.232 Punkten. Nach starken anfänglichen Verlusten im frühen Handel sorgte eine geringer als erwartet ausfallende Inflationsrate in Deutschland für Beruhigung am deutschen Aktienmarkt. Im Juni stiegen die Verbraucherpreise um 7,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Im Mai errichte die Inflationsrate mit 7,9% ihren Höchststand seit über 40 Jahren. Nach Handelsschluss am Mittwoch rettete sich der Dax nur knapp über die 13.000 Punkte Marke.

Am Donnerstag, dem letztem Tag im Juni verzeichnete der Dax den schlechtesten Juni in der Börsengeschichte. Mit den heutigen Verlusten büßte der deutsche Leitindex seit Monatsbeginn knapp 11% ein. Anleger schichteten vermehrt in Anleihen um. Nach dem schwächsten jemals erfassten Juni an der deutschen Börse stabilisierte sich der Dax am Freitag. Anleger nutzten die niedrigen Einstiegskurse und steigen in den Markt ein. 

Auf Wochensicht verlor der DAX 3,0%

US-Märkte

S&P 500: -2,4%

Dow Jones: -1,4%

Nasdaq 100: -4,7%

Die US-amerikanischen Börsen starteten nach einer starken Vorwoche negativ in die neue Handelswoche, sodass die wichtigsten US-amerikanischen Indizes am Montag tiefer notierten. Stabile Daten aus der Industrie stützen Ökonomen zufolge die Aussicht auf drastischere Zinsschritte der US-Notenbank. Zudem stiegen die Renditen am Anleihenmarkt. Nach anfänglichen Kursgewinnen sind die US-Börsen am Dienstag im Verlaufe des Handels stark unter Druck geraten. Neben Rezessionsängsten der Anleger trübte die Veröffentlichung einer schlechter als erwarteten Verbraucherstimmung das Marktgeschehen. 

Am Mittwoch herrschte nach wieder aufkeimenden Rezessionsängsten Zurückhaltung seitens der Anleger. Nach einem volatilen Handel konnten die wichtigsten US-amerikanischen Indizes allerdings keine gemeinsame Richtung finden. Dow Jones und Nasdaq 100 legten leicht zu, während der S&P 500 minimale Einbußen verzeichnete. Auch an den Aktienmärkten in den USA ist die Halbjahresbilanz erschütternd. Der S&P 500 verlor in den letzten sechs Monaten 20,6%. Der Dow Jones verzeichnete in demselben Zeitraum ein Minus von 15,3%. Die größten Verluste im ersten Halbjahr 2022 verbuchte allerdings, der durch den starken Abverkauf von Technologiewerten gebeutelte Nasdaq 100 mit einem Verlust von 29,5%. Nach dem schlechten Halbjahr an den US-Börsen konnte sich der US-amerikanische Aktienmarkt am Freitag vor dem verlängerten Wochenende leicht erholen. Besonders Halbleiter-Aktien gerieten unter Druck.

Der Dow Jones gab auf Wochensicht 1,4% nach, der S&P 500 verlor 2,4% und der Nasdaq 100 zog es 4,7% in die Tiefe.

Asien

Hang Seng:-0,5%

Nikkei 225: -3,0%

Zum Wochenauftakt am Montag richteten sich Anleger in Asien nach den positiven US-Vorgaben und deckten sich mit asiatischen Aktien ein. Der Nikkei 225 stieg am Montag um 1,5% an. In China sorgten weitere Finanzspritzen der chinesischen Notenbank und ein ausgerufener Sieg über Covid-19 für Optimismus. Trotz der Gewinnmitnahmen an den US-Börsen lagen die wichtigsten asiatischen Indizes nach Börsenschluss leicht im Plus.

Am Mittwoch sprangen die Rezession- und Inflationsängste aus den USA auch auf die asiatischen Aktienmärkte über. Der Nikkei büßte 0,9% ein, während der Leitindex aus Hong Kong um 1,8% fiel. Die asiatischen Börsen konnten am Donnerstag keine gemeinsame Richtung finden. In Japan drückte eine schwindende Industrieproduktion auf die Kurse, während in China positive Konjunkturdaten die Stimmung aufhellten. Am Freitag stimmten schlechte Weltwirtschaft Aussichten die Anleger in Asien zum Start in die zweite Jahreshälfte pessimistisch. Die Anleihenrenditen sanken und im Devisenhandel legte der US-Dollar zu.

Auf Wochensicht verlor der Hang Seng 0,5% und der Leitindex Nikkei gab 3,0% nach.

Aktie:

TeamViewer

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Heute wollen wir einen Blick auf einen Fallen Angel aus dem deutschen Technologiesektor, welcher in der Coronapandemie mit seinen umfassenden Softwarelösungen den Arbeitsalltag vieler Arbeitnehmer erleichtert hat und zuletzt mit seinen großen Marketingmaßnahmen auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Rede ist von TeamViewer. Das in Deutschland gegründete Technologieunternehmen, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, jedes Gerät mit jedem Gerät verknüpfbar, steuerbar und wartbar zu machen.

Das Unternehmen hat eine Marktkapitalisierung von knapp 2 Mrd. € und ist im MDax vertreten. TeamViewer beschäftigt rund 1.300 Mitarbeiter und vertreibt seine Softwarelösungen auf der ganzen Welt. 

TeamViewer ist eine umfassende Lösung für Fernzugriff, Fernsteuerung und Fernwartung. Die Software des Unternehmens ist mit nahezu allen gängigen Betriebssystemen kompatibel und lässt den Nutzer Laptops, Mobiltelefone, Industriemaschinen und Roboter von überall auf der Welt fernsteuern und nutzen als wäre dieser vor Ort. Das Unternehmen bietet seine Softwarelösungen im Abo-Modell an. Neben Privatkunden, für die die Softwarelösungen kostenlos zur Verfügung stehen, hat TeamViewer knapp 620.000 zahlende Geschäftskunden, welche aus einer breiten Produktpalette die für sie optimale Lösung abonnieren können.

Das Unternehmen teilt seine zahlenden Kunden der Vertragsgröße nach in zwei Gruppen.

Das Segment kleine und mittelständische Unternehmen, welches im Q1 2022 knapp 78 % der Billings ausmachte, konnte trotz der starken Vorjahreszahlen ein Wachstum von 4 % verzeichnen. Im Enterprisegeschäft, zuletzt 22 % der gesamten Billings in Q1 2022, konnte sich das Unternehmen um knapp 51 % steigern. Darüber hinaus weitet TeamViewer seine erfolgreichen Partnerschaften mit führenden Technologieunternehmen, wie SAP, Microsoft, Salesforce und weiteren, weiter aus.

 

TeamViewers Softwarelösungen umfassen nicht mehr nur das allseits bekannte Screensharing, das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren durch eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten auf seiner Technologie-Plattform stark diversifiziert. Die Softwarelösungen reichen heute von Chatfunktionen und online Meetingräumen über Fernwartung und Überwachung von Prozessen, Maschinen und Steuerungen, hin zu zukunftsträchtigen Technologien wie Argumented Realitiy und der intelligenten Verknüpfung von Geräten zur Optimierung von Prozessen. Diese Bandbreite an Funktionen grenzt das Unternehmen auch von seiner Konkurrenz ab, große Player wie Microsoft oder Google bieten zwar auch Sofwarekomplettlösungen, jedoch ist es besonders für kleine Unternehmen und Unternehmen der Industriebranche effizienter auf die Services von TeamViewer zurückzugreifen als, für verschiedene Anwendungen verschiedene Software zu nutzen. Mit dem Geschäftstandort Deutschland hat TeamViewer eine direkte Verbindung zu einer starken Industrienation, welche sich im Wandel der Digitalisierung befindet. Für die ausländische ist das Siegel „Made in Germany“ ein Qualitätssiegel und eine Alternative vom amerikanische dominierten Technologiesektor.

Um auf die wachsende Bedrohung der Cyberkriminalität zu reagieren, schloss TeamViewer 2021 eine Partnerschaft mit Malewarebytes, ein weltweit führender Anbieter von sicheren Remote-Konnektivlösungen und Technologien zur Arbeitsplatzdigitalisierung.

Die in der Cloud verwaltbaren Malwarebytes-Produkte nutzen Machine-Learning, um Endpunkte in Echtzeit vor bereits bekannter und noch unbekannter Malware einschließlich Zero-Day-Exploits (offengelegte Schwachstellen in Software) zu schützen. Für den Schutz seiner Kunden wurden die Secruitiy-Lösungen in das schon bestehende Netzwerk von TeamViewer integriert.

Das Unternehmen erweitert somit sein eigenes Produktportfolio und bedient einen starken Wachstumsmarkt mit einem erwartet CAGR von knapp 13 % bis 2029. Während der Corona Pandemie und der monatelang anhaltenden Lockdowns waren viele Unternehmen gezwungen einen gewaltigen Schritt in Richtung Digitalisierung zu machen. TeamViewer nutze dieses Interesse und konnte mit gezielten, aber kostspieligen Werbemaßnahmen (Formel 1, Man United) auf sich aufmerksam machen. Das Unternehmen konnte seine Billings von 2019 bis 2021 um durchschnittlich 20 %pa. erhöhen, während sich die geografische Zusammensetzung der Umsätze jedoch kaum intakt blieb. (EMEA: ~53 %, AMERICAS: ~34 %, APAC: ~13 %). Das Unternehmen ist bestrebt Das Geschäft außerhalb Europas auszuweiten und an Bekanntheit zu gewinnen.

Die momentane weltwirtschaftliche Lage und die anhaltende Inflation schwächen zurzeit jede Branche. TeamViewer ist durch seine Kundschaft breit diversifiziert und ist somit gut aufgestellt. TeamViewer kann den Wegfall einiger Kunden verkraften und für die verbleibenden Unternehmen besteht kein Grund eine tief integrierte Software auszutauschen. Bei steigendem Zins könnte jedoch die hohe Verschuldung und Tilgungsraten zum Problem werden. Diese machen im letzten Quartal knapp 1/3 des Gewinns aus und bei ausbleibenden Gewinnen könnte das Unternehmen schnell in eine Schuldenfalle geraten. Abschließend ist jedoch festzuhalten, dass der langfristige Trend hin zur Digitalisierung und der Verknüpfung von Prozessen und Hardware intakt bleibt und das Unternehmen auf lange Sicht keine Probleme haben neue Kundschaft zu gewinnen sollte, besonders da sich die deutsche Industrie auf dem Weg zur Digitalisierung befindet.

 

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Zahlen. TeamViewer erzielte im Q1 2022 einen Umsatz von 134 Mio. €. Dies ist eine Steigerung von rund 14 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Gewinn liegt bei knapp 15 Mio. €, was einer Profit-Marge von rund 14 % entspricht. Auch die Billings entwickeln sich im gleichen Maße und bewegen sich im Rahmen der angepassten Unternehmens-Guidance.  Auffallend sind die immer noch sehr hohen Marketingausgaben, welche den Gewinn weiterhin stark schmälern, aktuell jedoch noch nicht den gewünschten Effekt erzielen. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorquartal lediglich um knapp 2 % gewachsen. Die Billing sind um knapp 7 % gewachsen. Somit liegt die Magic Number zwischen 0,2 und 0,8. Spannend ist die stark zurückgekommene Bewertung. Bei einem KGV von 32 und einem KUV 4. Damit hat die Aktie viel zukünftiges Potenzial bei weiter steigendem Umsatz und sich evtl. bessernden Profit Margen.

Events in dieser Woche

Am Dienstag erhalten wir Zahlen zur Entwicklung des Einkaufsmanagerindexes (Gesamtindex) aus der Euro-Zone für den Monat Juni. Ökonomen prognostizieren ein Rückgang des verarbeitenden Gewerbes und nicht-verarbeitenden Gewerbes von 54,8 im Vormonat Mai auf 51,9 im Monat Juni. Zudem bekommen wir am Mittwoch Daten zur Entwicklung des Einkaufsmanagerindexes (Gesamtindex) aus den USA für den Monat Juni. Auch wird ein Rückgang im Vergleich zum Vormonat erwartet, von 53,6 auf 51,2. Am Freitag erhalten wir dann noch Arbeitsmarktzahlen aus den USA und Kanada. In Kanada bleibt die Arbeitslosenquote wie auch im Vormonat bei 5,1%. In den USA wird ebenfalls keine Veränderung zum Vormonat von den Ökonomen prognostiziert. Die Arbeitslosenquote soll im Juni weiter bei 3,6% liegen.

Am Donnerstag legen zwei deutsche Unternehmen Quartalszahlen vor. Zum einem das auf Mode spezialisierte AboutYou und der weltweit größte Zuckerproduzent, die Südzucker AG.

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